In diesem persönlichen Erfahrungsbericht beschreibe ich meine zweite Woche nach dem Ankommen in Tunesien – zwischen Verkehr, Alltagskonflikten, Grenzsetzung und wachsender Durchsetzungsfähigkeit. Der Text ist keine Anleitung, sondern eine subjektive Momentaufnahme darüber, wie sich Ankommen in Woche zwei anfühlen kann: lauter, klarer und selbstbestimmter.
Klein heisst nicht leise: Luna findet ihr Gebrüll am Strand, ich upgrade mein Strassen-Überquerungs-Protokoll auf der Route Touristique, und eine Vermieterin will, dass ich ihr das Sofa finanziere. Heavy-Metal-Leben – zu laut, um sicher zu sein, zu gut, um langweilig zu sein.
Route Touristique (Bossfight Edition)
Die Route Touristique ist keine Strasse. Sie ist ein Endgegner.
Vier Spuren hupender Blechbrei, am Wochenende ein fliessender Stau mit mindestens 40 km/h. Sie schneidet Kantaoui sauber in zwei Teile:
Meine Seite: Strand, Wohnung, Zigaretten, Hundefutter, Babykatzen.
Andere Seite: Wasserm, Supermarkt, potenzielle Coiffeuse, wunderschöne Bürostühle (wie teuer bitte?!), pharmacie.
Egal wie viel Verkehr es gibt – ich muss rüber.
Woche 1: Ich warte höflich und bekomme einen Sonnenbrand.
Woche 2: Ich cheate. Ich klebe mich einem Local an den Rücken, 20 cm hinter ihm, bete zu Allah, während Stossstangen mit meinen Knien flirten.
Woche 3 (jetzt): Durchsetzungsfähigkeit 2.0 – installiert.
Crossing Protocol v2.0
- Geradeaus laufen. Schultern zurück, Kinn hoch. Nicht fackeln.
- Laserblick. Der Blick, der sagt: «Ich existiere. Ich gehe jetzt rüber. Ihr kommt schon klar.»
- Slot wählen. Wie kompilierter Code: Der Weg ist geschrieben, jetzt ausführen.
- Optionale Schweizerdeutsch-Audio-Spur (falls Kohlenstoff oder Metall zu nahe kommt):
«Chuechichäschtli Fondue, you blöde Füdliarsch – brake now oder erklär Allah, warum du grad e Grossmutter platt gmacht hesch. Fahr ab.» - Committen. Kein Hüpfen, kein Sprinten – entschlossenes Gehen.
Resultat: Die Hölle bleibt, aber ich bin nicht mehr Beute. Grenzen in Bewegung.
Real-Estate Follies: Sofa Series A
Gestern: Waffenstillstand per Handschlag mit Dahmen – «alles schriftlich, wir sind einverstanden.»
Heute: Die Besitzerin will zwei Monatsmieten im Voraus – um sich… ein Sofa zu kaufen.
Ich miete keine Wohnungen, um Möbel-Start-ups zu finanzieren. Fuck-Off-Modus aktiviert. Sofortiger Abbruch. Es war nie Zuhause – nur ein Kapitel.
Klein Luna, Big Queenship
Blaue Stunde am Strand. Salz in der Luft, vier Hunde, ein Mann, zwei Meter Leine – und ich.
Riadh zeigt Luna, wie man Grenzen setzt, als drei majestätische Strandhunde etwas zu nah kommen. Kein Kampf, eher Choreografie: ein magnetisches kleines Ballett aus Pfoten, Sand und Rückgrat.
Ich schaue meiner Terrierin zu, wie sie all die Schweizer Don’ts abschüttelt: nicht bellen, nicht springen, nicht zu laut existieren.
Und hier ist sie: bellend, rennend, lachend, lebend. Und mein eigenes Rückgrat richtet sich mit ihrem auf. Wir dürfen bellen. Wir dürfen Nein sagen. Wir dürfen klein sein und trotzdem Raum einnehmen.
Mantra der Woche: Klein heisst nicht leise.
Learnings aus Woche 2
- Warte nicht auf Lücken – geh wie Code, der ausgeführt wird.
- Hüte dich vor Vermieterinnen mit Ikea-Katalogen.
- Strassenhunde sind günstiger als Therapie und manchmal besser.
- Klein ist egal. Hörbar sein ist Überleben.
- Der Text beschreibt meine zweite Woche nach dem Ankommen in Tunesien.
- Im Fokus stehen Verkehr, Alltagskonflikte und persönliche Grenzsetzung.
- Themen sind Durchsetzungsfähigkeit, Wohnen, Hundebegegnungen und Selbstbehauptung.
- Es geht nicht um Regeln oder Anleitungen, sondern um Erfahrungen.
- Der Beitrag ist eine subjektive Momentaufnahme einer frühen Ankommensphase.

