In diesem sehr persönlichen Beitrag beschreibe ich meine letzten Wochen vor dem Auswandern aus der Schweiz – zwischen Abschied, Erschöpfung, Hoffnung und dem bewussten Bruch mit meinem Herkunftsland. Der Text richtet sich an Menschen, die sich für persönliche Erfahrungen rund ums Auswandern aus der Schweiz interessieren – jenseits von Checklisten und Ratgebern.
Nur noch 24 Tage. Dann steige ich in ein Flugzeug und fliege weg – weg aus einem Land, das mich nie wirklich wollte. Hinter mir: eine Wohnung, die zu einem Lagerraum geworden ist. Halb gepackte Koffer, ausrangierte Möbel, die Überreste meines „Lebens“. Ich habe fast alles losgeworden. Verkauft (für fast nichts). Verschenkt (eine riesige Anstrengung). Weggeworfen (mit zusammengebissenen Zähnen).
Was übrig bleibt, passt in einen 23 kg schweren aufgegebenen Koffer, ein 5 kg schweres Handgepäckstück und eine Hundetransportbox. Und was nicht mitkommt, lasse ich zurück – einschliesslich all meiner Zweifel.
Auswandern aus der Schweiz – mein persönlicher Abschied
Ich will gehen. Ohne Trauer. Ohne Sentimentalität. Ich mache mir keine Illusionen mehr über mein Heimatland. Selbst die nettesten Schweizer reagieren auf alles, was sie stört, mit einem leisen, höflichen Stirnrunzeln – begleitet von struktureller Verachtung. Sie hassen nicht laut. Sie disqualifizieren mit Artikeln: die Albaner. die Türken. die Schuldner. die Drogenabhängigen. Das sind natürlich alles nur Einzelfälle – solange man nicht zu genau hinhört.
Galgenhumor hilft beim Packen
Was hält mich hier? Nichts mehr. Was zieht mich dorthin? Die Hoffnung auf echte Menschlichkeit – auch wenn sie chaotisch, unordentlich und instabil ist.
Ich bin nicht naiv. Ich weiss, worauf ich mich einlasse. Ich ziehe in ein Land, in dem nicht alles überreguliert ist, in dem viele Dinge einfach passieren. Im wahrsten Sinne des Wortes. Manchmal brennt ein Haus nieder, weil niemand auf Sicherheitsstandards achtet. Manchmal entgleist eine Achterbahn. Und manchmal wird man verhaftet, weil man einem durstigen Flüchtling eine Flasche Wasser gegeben hat.
Aber es hat auch etwas Befreiendes, dass nicht alles reguliert ist. Wenn es nicht an jeder Ecke ein System gibt, das einen kontrolliert, bewertet und katalogisiert – und einen dann höflich, aber bestimmt beiseite schiebt, wenn man nicht in die Norm passt.
Warum ich trotz Angst gehe – zwischen Hoffnung und Unsicherheit
In der Schweiz wäre ich überrascht, wenn morgen jemand das Parlament stürmen würde. In Tunesien … sagen wir einfach, es wäre interessant, aber nicht völlig unerwartet. Es ist ein Land im Umbruch – instabil, widersprüchlich, lebendig.
Und ja, das ist beängstigend. Aber nicht so sehr wie der kalte Perfektionismus meines Heimatlandes. Die Schweiz hat viel, worauf sie stolz sein kann: Stabilität, Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit. Aber vielleicht ist es gerade diese sterile Effizienz, die viele Menschen chronisch unfähig macht, Empathie über Vorurteile zu stellen.
Ich habe keine Antworten auf diese Widersprüche. Nur eine Entscheidung: Ich gehe weg.
Nicht, weil ich vor etwas fliehe – sondern weil ich nach etwas suche, das ich hier nie gefunden habe.
- Der Text beschreibt meine persönliche Situation in den letzten Wochen vor dem Auswandern aus der Schweiz.
- Im Mittelpunkt stehen Abschied, Erschöpfung und der Wunsch nach einem anderen Leben.
- Es geht nicht um organisatorische Vorbereitung oder rechtliche Schritte.
- Der Beitrag thematisiert bewusst Ambivalenz, Angst und Hoffnung.
- Der Text ist ein persönlicher Erfahrungsbericht – kein Auswanderungsratgeber.

