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Leben in Tunesien – Tunesien: ein Land zum Sterben schön (1)

In der Schweiz kommt Gas durch die Wände.
In Tunesien kommt es durch Menschen.

In diesem persönlichen Erfahrungsbericht erzähle ich aus meinem Alltag in Chatt Meriem von Improvisation, Infrastruktur und Kulturschock beim Leben in Tunesien. Am Beispiel einer provisorischen Gasinstallation beschreibe ich, wie sich Leben in Tunesien zwischen Chaos, Menschlichkeit und überraschender Erleichterung anfühlen kann – aus der Perspektive einer Schweizerin.

Meine Gasleitung wird gerade durch Optimismus und Plastikband zusammengehalten.

Bevor ich weiter über Nahtoderfahrungen rede, sollte ich mich wohl erst mal vorstellen. Ich bin Schweizerin. Aufgewachsen in einem Land, wo die Infrastruktur unsichtbar und leise ist und wo man es persönlich nimmt, wenn sie mal nicht funktioniert. Ein Ort, wo Rohre versteckt sind, Vorschriften heilig sind und „vorübergehend“ meistens genau sieben Arbeitstage bedeutet.

Jetzt lebe ich in Tunesien. Genauer gesagt in Chatt Meriem. Im zweiten Stock. Ohne offiziellen Gasanschluss. Noch nicht.

Was ich habe, ist eine Vermieterin namens Fatma, eine beeindruckende Rotation von Klempnern und einen immer tieferen Respekt vor der menschlichen Kreativität unter Druck.

Gestern hat Klempner Nummer eins etwas vollbracht, das ich nur als angewandte Performancekunst beschreiben kann. Er zog eine provisorische Gasleitung vom Erdgeschoss zu meiner Wohnung, wobei er etwas benutzte, das verdächtig nach Trinkhalmen, Klebeband und Vertrauen aussah. Ich sah voller Ehrfurcht zu. Und um fair zu sein: Es hat funktioniert.

Etwa fünf Minuten lang.
Genau so lange, wie der Klempner neben dem Boiler stand.

Heute Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, kam Fatma wieder. Diesmal mit Klempner Nummer zwei. Das Ziel war, die Reparatur zu reparieren. Was in Tunesien ein völlig vernünftiges Konzept ist. Sie arbeiteten stundenlang.

Leben in Tunesien – wenn Improvisation auf offizielle Regeln trifft

Und dann – Wunder von Chatt Meriem – tauchte STEG (Société Tunisienne de l’Electricité et du Gaz) auf. Zwei echte Mitarbeiter. In Uniform. Echt. Greifbar. Meine lang gehegte Theorie, dass STEG eine kollektive Halluzination sein könnte, brach sofort zusammen.

Ich habe das meiste von dem, was gesagt wurde, nicht verstanden. Tunesisches Arabisch ist schnell, musikalisch und gnadenlos. Aber ein Wort drang laut und deutlich durch alles hindurch und wurde mit zunehmender Dringlichkeit wiederholt:

„Lälä. Interdit. INTERDIT.“

Es stellte sich heraus, dass Optimismus, Plastikband und Trinkhalme keine zugelassene Gasinfrastruktur sind.

Arme Fatma. Ich konnte es in ihrem Gesicht sehen. Die provisorische Reparatur muss jetzt durch eine offizielle Installation ersetzt werden. Morgen. Von STEG. Teuer. Als sie sich zu mir umdrehte und „ils sont des voleurs“ sagte, brauchte ich nicht einmal eine Übersetzung.

Warum mich das Chaos in Tunesien nicht nur stresst

Ich hingegen fühlte mich seltsamerweise erleichtert.

Denn so sehr ich Tunesien auch liebe – und das tue ich wirklich, das Chaos, die Herzlichkeit und alles andere –, möchte ich doch lieber nicht durch eine Gasexplosion ums Leben kommen. Das Land meines Herzens bietet bereits viele andere, weitaus kreativere Möglichkeiten, plötzlich und unerwartet zu sterben, insbesondere für eine Schweizerin, die immer noch glaubt, dass Wände den Großteil der Arbeit übernehmen sollten.

Das ist keine Beschwerde.
Das ist eine Beobachtung.

Willkommen in einem Land, für das es sich zu sterben lohnt.

  • Der Text beschreibt meine persönliche Alltagserfahrung mit Infrastruktur in Tunesien.
  • Im Mittelpunkt stehen Improvisation, Reparaturen und der Umgang mit offiziellen Stellen.
  • Es geht nicht um technische Anleitungen oder rechtliche Fragen.
  • Der Beitrag zeigt den emotionalen Unterschied zwischen Schweizer Ordnung und tunesischem Alltag.
  • Der Text ist eine subjektive Beobachtung über Leben in Tunesien.

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