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Zia, richtig fett ungefiltert

Passt schon. Weil ich eigentlich schreiben kann was ich will. Kein Schwein liest heutzutage noch persönliche Texte. Wahrscheinlich liest die Mehrheit noch nicht mal irgendwelche Texte. Oder Strassenschilder. Zeitungen. Bücher – Gott bewahre.

Falls das ein wenig frustriert klingt: Das soll es. Das Besucher-Niveau meiner Website ist unter zehn pro Tag gefallen und neun davon sind tunesische Besucher und der letzte einer aus dem englischsprachigen Raum. Dann habe ich eine Absprungrate von einem Drittel und die Verweildauer auf der Seite liegt dann auch noch bei 1min 23sek. Woraus ich schlussfolgerei: So wirklich gelesen werden hier maximal die Survival Guide Auswanderer-Erfahrungen von französisch- und englischsprachigen Nutzern.

Heisst pornomässige Freiheit auf Deutsch. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemals irgendwer lesen wird, nähert sich dem statistischen Nullpunkt. Gilt dann auch für meine Freunde und Lieben in der Schweiz, für die diese Website ursprünglich mal gedacht war. Nun, meine Blutsverwandtschaft hat sich schon immer herzlich wenig um mich geschert. Sogar meinem Bruder waren die Geschichten, in denen ich irgendwie schlecht dastehe, immer die einzigen die ihn interessierten. Oder vielleicht hatten wir auch einfach nie andere Geschichten, mein sogenannter Bruder und ich.

Und meine Freunde sind auch kein Stück besser. Ihr habt es gemocht, dass ich euch zugehört habe. Ihr habt es gemocht, dass ich euch umsorgt habe. Ihr habt es gemocht, dass ich immer versucht habe das Gute an und in euch zu sehen und das Schlechte nicht so ernst zu nehmen. Ja, dass habt ihr gemocht. Vielleicht habt ihr so gar mich aufrichtig gemocht. Aber so richtig interessiert für mich, habt ihr euch auch nie wirklich. Mit der blossen Fragen, nach dem „Wie geht’s?“, ist das Freund-Sein nicht erledigt, wenn man dann nach einem Satz von mir nahtlos zu den eigenen Themen übergeht.

Wirklich traurig, dass keiner von euch auch nur auf die Idee kommt, dass ich in meinem ersten Jahr in einem fremden Land euer offenes Ohr und Intresse gebraucht hätte. Aber anstatt mir mal auch nur fünf Minuten richtig zuzuhören ruft ihr mich sogar hier nur an, um mir von euren Problemchen und Wehwehchen zu erzählen. Eigentlich sollte ich es euch wirklich mal ins Gesicht sagen: Ihr seid scheiss Freunde!

Ich hätte gerne jemandem meine Geschichten als Auswanderin erzählt. Es sind alles gute Geschichten. Aber ich glaube, ich bin jetzt schon lange genug hier, dass ich mir meine Geschichten selber erzählen kann. Die von dem Tag meiner Ankunft. Die wirklich irre Dahmen-Immo-Kriese. Schwäne und Gänze die abends in perfekter V-Formation über die Dächer fliegen. Begleitet von laut schnatterndem Gequacke.

Die streunenden Katzen und Hunde. Gerade die Katzen hier sind ein Fundus schräger Persönlichkeiten. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind so bewundernswerte Kämpferinnen. Bevor geflüchtet wird, wird ausgeteilt. Kein Wunder, denn sie leben auch einen stetigen Kampf um Ressourcen. Nahrung, Schlafplätze, paarungsbereite Katzendamen. Überhaupt sind hier überall Tiere. Hühner, Schafe, Ziegen, Pferde, Kamele, Kühe, Esel. Und alles rennt einfach frei herum. Kein Zaun dazwischen.

Ich habe hier schon so viel erlebt, dass es mir wie hundert Jahre vorkommt und dabei ist es gerade mal ein Vierteljahr. Und ich bin schon weit gekommen. Ich habe endlich etwas, dass sich wie zuhause anfühlt. Ich knüpfe erste soziale Kontakte mit Einheimischen. Und das nicht nur mit dem Typen, bei dem ich erst dachte, er kümmert sich nur um mich, um mich ins Bett zu kriegen. Nun, ins Bett gekriegt hat er mich eigentlich nie. Dafür aufs Sofa, eine Matratze und auf den Teppich. Und es war mies. Richtig fett mieser Sex. So mies, dass mein anfängliches Begehren abgesehen von Tagträumereien (in denen der Sex natürlich um Dimensionen besser ist) vollkommen verflüchtigt hat.

Trotzdem ist er noch hier und wir sind uns näher gekommen. Nur eben erotisch oder romantisch sind wir nie wieder geworden.

Das war Zia richtig fett ungefiltert. Von Draft ohne Umweg und Überarbeitung direkt in Publikation. Give it a shit.

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