Ankommen in Tunesien – Hellwach, Woche eins

In diesem persönlichen Erfahrungsbericht beschreibe ich meine erste Woche nach dem Ankommen in Tunesien – zwischen Schlaflosigkeit, Überforderung, Selbstberuhigung und vorsichtigem Vertrauen in den eigenen Körper. Der Text ist keine medizinische oder psychologische Beratung, sondern eine ehrliche Momentaufnahme einer Übergangsphase.
Manchmal ist der einzige Weg, das ganze Chaos aus meinem Kopf zu kriegen, es aufzuschreiben.
Es ist früher Samstagmorgen und ich schlafe immer noch nicht. Nach einer Woche fast ohne richtige Ruhepause bin ich emotional etwas angeschlagen – nicht, weil alles schlecht läuft. Es ist gleichzeitig beängstigend und seltsam wunderbar. Ich höre die Brandung und das Heulen der streunenden Tiere. Ich bin an einem weit entfernten, aufregenden Ort, und ich bin die mutige Reisende, die sich dafür entschieden hat.
Ich möchte hier sein und ich möchte unabhängig sein. Ich möchte alles alleine schaffen – und doch nehme ich gerade Hilfe an wie ein kleines Mädchen. Das ist nicht die starke, selbstständige Frau, die ich mir vorstelle.
Aber ein anderer Teil von mir sagt: Es ist völlig okay, am Anfang Hilfe zu brauchen. Ich werde lernen. Bald werde ich ganz alleine zurechtkommen. Ein holpriger Start ist normal. Ich fange gerade erst an, mein neues Zuhause kennenzulernen.
Aus meiner Schweizer Perspektive wirken dieses Land und sein Rhythmus wild. Ich bin nicht dumm; ich weiss, dass die Dinge hier einfach anders laufen. Tschüss, E-Banking und One-Click-Shopping. Egal. Ich werde mich anpassen. (Kleiner Borg-Drohne meldet sich zur Assimilation.)
Ich werde alles geben, um hier das Leben zu führen, das ich mir immer gewünscht habe – ein gutes, erfülltes, sinnvolles Leben. Ich werde Dinge tun, die ich liebe, mit Menschen, die mich lieben. Ich werde genau das bekommen, denn ich habe es mir verdient. Ich habe genug Mist geschluckt für ein ganzes Leben.
Und ich weiss, dass ich zu der Person werde, die ich sein möchte.
Alle meine „Monster” sind in Wahrheit Prinzessinnen, die darauf warten, dass ich mich selbst als schön und mutig sehe – wenigstens einmal.
Ankommen in Tunesien – zwischen Chaos und Zuversicht
Das Warten hat ein Ende. Ich bin auf dem Weg.
Schlaflosigkeit in der ersten Woche – meine persönliche Einordnung
Eine Anmerkung zur Schlaflosigkeit (und warum ich nicht in Panik gerate)
Schlaflosigkeit in der ersten Woche nach einem grossen Umzug ist normal und keine Krise. Mein Körper und mein Gehirn gewöhnen sich gerade an:
- Eine neue Routine und Umgebung (Licht, Geräusche, Temperatur, Bett, ungewohnte Sicherheitsmerkmale).
- Stresshormone, die aufgrund der Reise und der Veränderung immer noch hoch sind (Hallo, Cortisol und Adrenalin).
- Andere Essenszeiten, Koffeinmuster und tägliche Aktivitäten.
- Ein Gehirn, das denkt: „Bleib wachsam, bis wir diesen Ort verstehen.“
Was ich mache: ruhige Tage, morgendliches Sonnenlicht, viel Wasser, kurze Nickerchen am frühen Tag, wenn nötig, spät abends keine Bildschirme, Dinge aufschreiben (wie dies hier) und Hilfe annehmen. Wenn es eine Weile dauert, ist das normal. Schlaf ist ein Reflex, kein Test, den ich bestehen muss. Er wird kommen – mein Körper kann mich nicht ewig wach halten.
Vorerst atmet das Meer weiter, die Hunde singen weiter, und ich lerne weiter, wie ich dazugehören kann.
- Der Text beschreibt meine persönliche erste Woche nach dem Ankommen in Tunesien.
- Im Mittelpunkt stehen Übergang, Schlaflosigkeit und emotionale Anpassung.
- Es geht nicht um medizinische oder psychologische Beratung.
- Der Beitrag reflektiert Selbstberuhigung, Körpervertrauen und Geduld.
- Der Text ist eine subjektive Momentaufnahme einer frühen Phase des Ankommens.