In diesem humorvollen Essay über Dating in Tunesien beschreibe ich das zweite Lieblingsszenario meines Umfelds: das völlig überzeichnete „Superbösewicht-Alptraumszenario“. Der Beitrag spielt mit Übertreibung, Wahrscheinlichkeit und Projektionen – ohne Anspruch auf Analyse, Warnung oder psychologische Einordnung.
(alias: Meine Freunde schauen zu viele Krimidokumentationen)
Diese Theorie ist … dramatisch. Und extrem unterhaltsam. Immer wenn ich auf Reisen bin, kommt mindestens ein Freund mit einem Szenario daher, das so übertrieben ist, dass selbst Marvel Studios sagen würde: „Beruhige dich mal.“
Ihre Theorie geht so:
„Was wäre, wenn du für einen Kurztrip in die Schweiz fliegst … und bei deiner Rückkehr hat Amine deine Wohnung ausgeräumt, deinen Hund verkauft und ist in die Schurkenhauptstadt Gafsa verschwunden?“
Ehrlich gesagt, wenn das jemals passieren würde, wäre das ein so apokalyptischer Schock, dass sogar ich einen Moment brauchen würde, um meine Persönlichkeit neu zu starten.
Aber schauen wir uns das mal mit tatsächlicher Logik an.
Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Szenario eintritt: vielleicht 0,5 bis 2 Prozent. Im Grunde genommen unmöglich, aber mathematisch gesehen nicht null, denn das Leben liebt überraschende Wendungen.
Hier ist der Grund, warum das keinen Sinn ergibt:
– Amine hat ein Leben. Ein echtes. Freunde, Routinen, Arbeit, Verpflichtungen.
Um einen so grossen Raubüberfall durchzuziehen, müsste er alles aufgeben. Warum sollte er das tun?
– Er müsste ein Mastermind von Weltklasse sein.
Nicht nur „gut im Reden“, sondern ein vollwertiger krimineller Architekt mit langfristigen Planungsfähigkeiten, die einer Netflix-Dokumentation würdig sind.
– Ausserdem: Er müsste vortäuschen, ein Herz zu haben. Und ich glaube wirklich nicht, dass er das vortäuscht.
Ich glaube tatsächlich, dass er gut sein will. Ich habe keinen logischen Beweis dafür – es ist Intuition. Aber es ist eine starke Intuition.
– Und seien wir realistisch: Tunesien ist kein Land, in dem man einfach „einen beliebigen Hund verkauft“ und dann wie ein Comic-Bösewicht in den Schatten verschwindet. So funktioniert das echte Leben nicht.
Dating in Tunesien – wenn Fantasie jede Logik überholt
Nun zum emotionalen Kern der Sache:
In diesem speziellen Sinne vertraue ich ihm.
Nicht zu 100 Prozent. Nicht zu 0 Prozent.
Denn in Wirklichkeit ist nichts jemals 100 oder 0.
Aber dieses Szenario ist so unwahrscheinlich, dass ich selbst dann, wenn mich der Unendliche Unwahrscheinlichkeitsantrieb während einer Zeitreise ins Jahr 1976 plötzlich in eine Sonnenblume verwandeln würde, immer noch denken würde, dass dieses Ergebnis plausibler ist als die Vorstellung, dass Amine einen gross angelegten Superbösewicht-Raubüberfall auf meine Wohnung begeht.
Diese Theorie gehört in dieselbe Kategorie wie:
„Was wäre, wenn Delfine heimlich deine Steuerunterlagen lesen könnten?“
Lustig.
Lächerlich.
Und unterhaltsam, sich vorzustellen – aber nichts, worüber ich schlaflose Nächte habe.
- Der Text ist Teil einer satirischen Theorie-Serie über Dating in Tunesien.
- Beschrieben wird ein bewusst überzeichnetes Angst-Szenario aus dem Freundeskreis.
- Der Beitrag spielt mit Wahrscheinlichkeit, Logik und Humor.
- Es handelt sich nicht um eine Warnung oder Analyse realer Risiken.
- Der Text ist eine persönliche, ironische Reflexion.

