Auswandern nach Tunesien – Tschüss Schweiz, Hallo Tunesien!

Auswandern nach Tunesien – Tschüss Schweiz, Hallo Tunesien

In diesem persönlichen Erfahrungsbericht beschreibe ich die erste Woche meiner Auswanderung nach Tunesien – zwischen Abschied, Überforderung, Organisation und Ankommen. Der Text ist kein Ratgeber, sondern eine emotionale Momentaufnahme über Übergänge, Kontrollverlust und das gleichzeitige Gefühl von Angst und Erleichterung.

Die erste Woche meiner Auswanderung fühlt sich gleichzeitig an wie ein einziges, langes Atemanhalten – und wie der Moment, in dem man endlich wieder Luft bekommt.

Auswandern nach Tunesien – Abschied von der Schweiz

Die letzten Spaziergänge in der Schweiz

Die ersten Tage verbringen Luna und ich noch in der Schweiz. Wir gehen viel spazieren. Nicht, weil wir müssen, sondern weil wir jeden Schritt bewusst einatmen wollen: das satte Grün, die vertrauten Gerüche, das Summen und Zirpen der Grillen, dieses weiche Licht, das sich nur in einer Schweizer Sommerwoche so anfühlt.
Wir sitzen im Gras. Luna döst. Ich speichere alles ab wie Erinnerungs-Backups, bevor man ein System komplett neu aufsetzt.

Letzte Termine, letzte Nadelstiche

Dienstag hole ich beim Hausarzt die finale Impfung und einen Sack voll Medikamente ab, der sicher fürs ganze Dorf gereicht hätte. Mittwoch sitze ich das letzte Mal bei meinem Therapeuten. Ich versuche zu erklären, wie es sich anfühlt: Wochenlang planen, funktionieren, organisieren – und jetzt ist da eine Art Schockstarre.
Nicht negativ. Einfach… unwirklich.

Zia und Luna steigen in ein Flugzeug auf einen anderen Kontinent – ohne Rückflugtickets.
Ich freue mich. Ich habe Angst. Ich finde es total verrückt. Alles gleichzeitig.

Der Moment des Aufbruchs – zwischen Angst und Funktionieren

Abflugtag: funktionieren statt fühlen

Am Donnerstag fährt uns meine Mutter von Grenchen nach Genf. Sie weint. Nadia weint. Sogar Luna weint, als wir sie wie Gepäck aufgeben müssen. Ich bleibe trocken – Funktionieren hat Vorrang. Aber jeder Schritt tut weh.

Der Nouvelair-Flug verspätet sich um zwei Stunden. Sitzen. Warten. Hoffen, dass Luna im Frachtraum nicht komplett durchdreht. Es ist Folter.

Ankommen in Tunesien – Orientierung im Ausnahmezustand

Landung in Tunis

Später Abend in Tunis. Ich bin erschöpft und gleichzeitig hellwach.
Ein Freund von Wajdi holt mich ab und schleust mich elegant an allen Schlangen vorbei. Tunesien ist wirklich das Land der Beziehungen – und ich bin dankbar dafür.
Draussen erwartet mich der Fahrer von shuttledirect.com. Er ist ebenso froh wie ich, dass es nun endlich nach Kantaoui geht. Die Fahrt verläuft still. Ich kann gerade nicht reden, ich brauche alle Energie, um nicht auseinanderzufallen.

Erstes Ankommen in Kantaoui

Sameh, Chaker und Riadh erwarten mich in meiner neuen Wohnung. Luna und ich sind komplett durch – körperlich und emotional. Kurz vor drei Uhr morgens verabschiedet sich die Familie endlich.
Ich trete auf den Balkon. Kantaoui liegt still vor mir.
Ich halte Luna im Arm und atme.
Hallo Tunesien. Wir sind da.

Das erste Wochenende: Orientierung & Überleben

Die nächsten Tage bestehen aus lauter kleinen Missionen:
Wo hebe ich Geld ab? Wo kaufe ich Brot? Wie zur Hölle funktioniert diese Waschmaschine?

Am Freitagabend taucht Riadh unangekündigt auf – mit selbstgekochtem Essen. Bleibt dann einfach stundenlang. Sein Interesse ist… sagen wir: nicht subtil.
Aber: Er ist da. Er hilft. Und in dieser ersten, seltsam schwebenden Zeit bin ich froh darüber.

  • Der Text beschreibt die erste Woche nach meiner Auswanderung nach Tunesien.
  • Im Fokus stehen emotionale Übergänge, Abschied und Überforderung.
  • Themen sind Abflug, Ankunft, erste Orientierung und Abhängigkeiten.
  • Der Beitrag ist bewusst subjektiv und nicht verallgemeinernd.
  • Er versteht sich als persönliche Momentaufnahme, nicht als Anleitung.

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Zia M.

Schweizerin im Exil, Tunesien-Version. Ich lebe in Chatt Meriem, sammle Geschichten, teste Apartments, schreibe darüber und versuche, den Alltag hier mit einer Mischung aus Neugier, Sarkasmus und gesundem Chaos zu meistern. Ich baue Webseiten, lerne Tunesisch-Arabisch, zügle meine Terrier-Queen Luna und erkläre Auswanderern, wie man in Tunesien überlebt, ohne dabei komplett auszurasten. How to Tunisia? Ich mache die Fehler. Du liest die Anleitung.

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